Blog · Für Privatpersonen
Warum Aufräumen nicht hält
Du hast schon aufgeräumt. Wahrscheinlich nicht nur einmal. Es gab dieses Wochenende mit Müllsäcken im Flur, Kisten für den Sperrmüll und dem guten Gefühl am Sonntagabend, wenn alle Flächen leer sind.
Ein paar Wochen später sah es aus wie vorher. Und dann kommt der Satz, den ich für den größten Denkfehler halte: „Ich bin einfach nicht diszipliniert genug.“
Bist du doch. Du hältst einen Alltag am Laufen, der an vielen Tagen zu voll ist. Was gescheitert ist, ist nicht deine Disziplin, sondern der Aufbau.
Woche vier ist der eigentliche Test
Ich schaue mir bei jedem System die ersten vier Wochen an. In Woche eins funktioniert alles. Du weißt noch genau, wo jetzt was hingehört, weil du es selbst dorthin gelegt hast. In Woche zwei bist du noch stolz und räumst abends nach.
In Woche drei wird jemand krank, ein Termin verschiebt sich, ein Geburtstag kommt dazwischen. In Woche vier trifft dein System zum ersten Mal auf einen ganz normalen vollen Tag, und niemand steht mehr daneben, der es erklärt.
Genau da entscheidet sich, ob es hält. Nicht am Sonntag, an dem du es gebaut hast.
Ich habe neun Jahre im Personalwesen von Handwerksbetrieben gearbeitet, fünf davon in einem Betrieb für Garten und Landschaftsbau, zuletzt fast drei Jahre als Leiterin einer Personalabteilung mit einem dreiköpfigen Team und Verantwortung für rund 140 Mitarbeitende. In dieser Zeit ist der Betrieb von 30 auf 150 Mitarbeitende gewachsen, und ich habe die Strukturen dafür aufgebaut, während das Tagesgeschäft weiterlief. Ich habe dabei eines gelernt: Ein Ablauf, der nur an ruhigen Tagen funktioniert, ist kein Ablauf. Er ist eine Absichtserklärung.
Was du heute tun kannst: Trag dir vier Wochen nach deinem nächsten Ordnungsversuch fünfzehn Minuten im Kalender ein, nicht zum Aufräumen, sondern zum Nachsehen. Was dann noch steht, passt zu deinem Alltag. Was gekippt ist, ist deine nächste Stelle.
Der Stapel zeigt dir, wo es klemmt
Wenn ein System kippt, kippt es nicht überall gleichzeitig. Es kippt an drei, vier festen Stellen. Und das sind immer die Stellen, an denen der richtige Weg einen Schritt zu viel verlangt.
Der Ablagekorb für Papier steht im Arbeitszimmer, die Post kommt aber an der Wohnungstür an. Der Wäschekorb steht im Bad, ausgezogen wird im Schlafzimmer. Der Haken für die Schlüssel hängt drei Schritte hinter der Stelle, an der du sie tatsächlich jeden Tag ablegst.
Das ist kein Charakterfehler. Das ist eine Wegbeschreibung.
Was du heute tun kannst: Geh einmal durch deine Wohnung und suche die drei Stellen, an denen sich schon wieder etwas stapelt. Räum sie nicht auf. Schreib nur auf, was dort liegt und wohin es eigentlich gehören sollte. Wenn zwischen der Stelle und dem eigentlichen Platz mehr als ein Handgriff liegt, ist der Platz falsch, nicht du.
Der Test mit dem vollsten Tag
Führ dir den vollsten Tag der letzten Woche vor Augen. Nicht den Durchschnittstag, den schlimmsten. Der mit dem Termin, der nicht zu verschieben war, dem Einkauf danach und dem Abendessen, das noch niemand gekocht hatte.
Geh mit diesem Tag im Kopf durch dein Ordnungssystem und stell bei jeder einzelnen Ablage dieselbe Frage: Hätte ich das an diesem Tag geschafft, mit einer Hand, ohne nachzudenken, in unter zehn Sekunden?
Alles, wo die Antwort Nein ist, wird auch beim nächsten Anlauf nicht halten. Nicht weil du nachlässt, sondern weil solche Tage wiederkommen.
Was wirklich müde macht: das ständige Mitdenken
Es gibt einen zweiten Grund, warum abends nichts mehr geht. Er liegt gar nicht in der Wohnung, sondern im ständigen Mitdenken.
Der Sportbeutel, der donnerstags mitmuss. Der Elternabend, für den noch jemand zusagen muss. Das Geschenk für den Kindergeburtstag am Samstag, das noch niemand gekauft hat. Die Post auf der Kommode, seit Wochen ungeöffnet, weil du ahnst, dass eine Sache darin Arbeit macht.
Die Wäsche selbst ist nicht das Anstrengende. Anstrengend ist das Wissen, dass die Wäsche noch da ist, während du gerade etwas ganz anderes tust. Dieses Wissen läuft den ganzen Tag mit und macht nie Pause.
Manche nennen das Mental Load. Der Begriff trifft es, weil diese Arbeit im Kopf stattfindet und deshalb niemand sie sieht.
Die Übung für heute Abend: 20 Minuten
Du brauchst ein Blatt Papier, einen Stift und eine Küchenuhr. Kein Handy, keine App. Handschrift ist hier wichtig, weil sie langsamer ist als Tippen und dir dabei mehr einfällt.
Die ersten zehn Minuten: alles raus. Schreib auf, was in deinem Kopf ist. Unsortiert, ohne Reihenfolge, ohne Bewertung. Der Rückruf bei der Krankenkasse steht neben Fenster putzen steht neben Mama anrufen.
Wenn dir nach drei Minuten nichts mehr einfällt, halt die Stille aus und bleib sitzen. Da kommt noch etwas, und meistens ist es das, was am längsten mitläuft.
Die zweiten zehn Minuten: drei Spalten. Geh deine Liste Punkt für Punkt durch und sortiere jeden Eintrag in eine von drei Kategorien.
Erstens: Das muss ich wirklich selbst tun.
Zweitens: Das kann warten. Und zwar mit einem Datum dahinter. „Kann warten“ ohne Datum ist keine Entscheidung, sondern ein Aufschub, der im Kopf weiterläuft.
Drittens: Das gehört gar nicht zu mir.
Achte beim Sortieren auf zwei Dinge. Die Liste ist kürzer, als es sich angefühlt hat. Nicht weil du wenig zu tun hättest, sondern weil ungeordnete Aufgaben sich endlos anfühlen. Eine Liste auf Papier hat ein Ende. Im Kopf hat sie keines, weil dieselben Punkte immer wieder von vorne anfangen.
Und die erste Spalte wird kürzer, als du dachtest.
Warum die dritte Spalte die wichtigste ist
In die dritte Spalte wandert das, was du übernommen hast, ohne dass es je jemand von dir verlangt hätte. Weil du es zuerst gesehen hast. Weil es schneller ging, als es zu erklären. Weil es seit Jahren so läuft.
Diese Spalte ist keine Aufgabenliste. Sie ist eine Entscheidungsliste. Jeder Punkt darin bekommt einen von drei Ausgängen, und zwar heute Abend noch, solange du das Blatt vor dir hast.
Weitergeben, mit Name und Datum. Streichen, weil es schlicht nicht getan werden muss. Oder bewusst behalten, weil du es tatsächlich selbst tun willst. Bewusst behalten ist völlig in Ordnung, aber dann ist es deine Entscheidung und nicht mehr etwas, das dir einfach passiert.
Weitergeben heißt nicht hoffen, dass es jemand von allein merkt. Es heißt ein Satz, morgen früh, ruhig und ohne Vorwurf: „Der Sportbeutel am Donnerstag gehört ab nächster Woche dir.“ Der Unterschied zwischen „Mach doch mal mehr“ und diesem Satz ist der Unterschied zwischen einem Vorwurf und einer Aufgabe, die jemand tatsächlich übernehmen kann.
Deshalb ist es die wichtigste Spalte. Die ersten beiden ordnen deine Arbeit. Die dritte verringert sie.
Erst danach lohnt sich der nächste Ordnungsversuch
Der nächste Ordnungsversuch lohnt sich erst, wenn die dritte Spalte kleiner geworden ist. Sonst baust du ein System für ein Pensum, das gar nicht deins ist, und es kippt aus demselben Grund wie beim letzten Mal.
Nimm dir dann nicht das ganze Zimmer vor, sondern eine einzige Stelle, an der es täglich klemmt. Die Post. Die Schuhe. Der Küchentisch. Bau sie so, dass sie an deinem vollsten Tag funktioniert, und lass sie vier Wochen laufen.
Hält sie, nimmst du dir die nächste Stelle vor. Hält sie nicht, hast du eine Information bekommen und keinen Beweis über dich. Ein System, das dreimal gescheitert ist, hat dir dreimal dasselbe gesagt: An dieser Stelle passt es nicht zu deinem Alltag.
Wenn du das nicht allein sortieren willst
Mein digitales Workbook führt dich durch diese Art zu sortieren, in deinem Tempo, an deinem Küchentisch. Es kostet 16,66 Euro.
Wenn du lieber jemanden dabei hast: Ordnung & Klarheit Kompakt kostet 349 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Ich arbeite vor Ort im Umkreis von rund 50 Kilometern um Linum, von Neuruppin über Fehrbellin bis Oranienburg.
Wenn du vorher lieber einmal sprichst: Das Erstgespräch ist kostenlos, dauert 15 Minuten und läuft am Telefon. Du erreichst mich unter 0157 86773194, montags, mittwochs, donnerstags und freitags von 8 bis 17 Uhr, dienstags bis 12 Uhr.
Wenn Sie das nicht allein angehen möchten: Beim Ordnungscoaching sortieren wir gemeinsam vor Ort, und zwar so, dass es hält.
Annika Bartsch
Ordnungs- und Strukturcoach in Linum bei Fehrbellin. Neun Jahre Personalwesen im Handwerk, davon knapp drei Jahre als Leiterin einer Personalabteilung. Heute sortiere ich Strukturen dort, wo sie gebraucht werden: im Betrieb und zu Hause.